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Dieter Meier über....

Poker: Ich habe nach der Matura im Alter von 18 bis 23 Jahren intensiv gespielt. Das ist die perfekte Flucht vor der Auseinandersetzung mit sich selbst. Die Abgeschlossenheit in dieser Spielsucht blendet wichtige Fragen aus. Im Englischen nennt man das «Busy Surviving». Diese Flucht steht wie bei jeder anderen Sucht im Zentrum. Natürlich spiele ich hie und da noch mit Freunden, aber das hat nichts mit dieser pervertierten Form von Sinnstiftung zu tun.
 
Erfolg und Misserfolg: Früher konnte ich mir für meinen Kleinzirkus nur einen Esel und eine Katze leisten – inzwischen konnte ich den Zirkus vergrössern. Wenn er nicht mehr gut läuft, würde ich ihn wieder verkleinern, und mich genau so freuen, wieder mit der Katze und dem Esel zu arbeiten.
 
Kaffee: Ich geniesse in Los Angeles sechs oder sieben verschiedene Kaffeesorten – zum Beispiel aus Jemen, Indien oder Hawaii. Seit ich entdeckt habe, dass man die Kaffeesorten nicht als Blend «verschneiden» muss, sondern ähnlich wie beim Whiskey auch Single Estate Kaffee produzieren kann, beschäftigte mich die Idee. Gemeinsam mit meinem Freund und Geschäftspartner Iwan Hauck und einem Pflanzer haben wir jetzt in Santo Domingo ein Gebiet übernommen und produzieren einen Single Estate Premium Highland Kaffee. Dabei werden laufend nur die reifen Bohnen geerntet und zwar während der ganzen Reifezeit, nicht nur zweimal. Das ergibt eine hervorragende Qualität, wie uns schon viele Profis bestätigt haben. Mit unserem Kaffee OCOA wollen wir aber kein weltweites Branding und Marketing betreiben, sondern in einer kleinen Nische ein Produkt für Kenner und Geniesser anbieten.
 
Genuss: Genuss ist wichtig für mich – aber nicht ein leerer, süchtiger Genuss, bei dem man von einem Genussmittel zum anderen springt. Genuss ist für mich auch Arbeit, geniessen bedeutet auch, mich mit etwas zu beschäftigen. Ein Streichquartett von Beethoven ist ein Hochgenuss aber das Sicheinlassen darauf ist immer auch ein Dialog und deshalb Arbeit, wie ich sie definiere. Auch das Schreiben eines Textes, was mich immer sehr anstrengt, ist Arbeit und Genuss. Für mich existiert Arbeit im bürgerlichen Sinne und das Aufteilen des Tages in Arbeit, Freizeit und Genuss nicht.
Seine Restaurants «Ojo de Agua» und «Bärengasse» in Zürich: Man ist angespannt, versucht täglich, das Beste zu geben und hofft, dass es gelingt. Ohne kompetente Partner hätte ich das nicht angepackt, aber ich habe im richtigen Moment Nicolas Maeder und Patrik Bruderer getroffen, die exzellente Gastgeber sind.
 
Kunst: Ob das, was ich tue, in der bürgerlichen Wahrnehmung Kunst ist, ist mir nicht wichtig. Das Leben ist ein Nichts, etwas Unbedeutendes. Und Kunst ist für mich eine Auseinandersetzung mit dem Nichts, eine Annäherung daran, eine Darstellung davon. Genau damit beschäftige ich mich in meinen Projekten wie der «Boule d’Or Centenaire», einer Kugel, die bis ins Jahr 2108 achtmal eine Strecke auf einem Holzbalken zurücklegt und ansonsten in einem Schacht versenkt ist. In der Galerie Jamileh Weber in Zürich sind aktuell Zeichnungen von mir ausgestellt, die ich in Sekundenschnelle angefertigt und dann mit zwei, drei Sätzen versehen habe. Ich habe mich also mit den Kreaturen, die quasi selber entstanden sind, auseinandergesetzt. Das ist auch eine Form des Ausdrucks von Dasein und Nichts. Letztlich geht es im Leben darum, ob man in der Zeit, die einem zur Verfügung steht, Spuren hinterlassen und sich dann glücklich und in einer gewissen Gefasstheit und Zufriedenheit verabschieden kann – statt ständig hinter dem «Rüebli» herzustrampeln.
 
Delegieren: Ich bin während 6 bis 8 Wochen auf meiner Biofarm in Argentinien und bilde mir nicht ein, dass es ohne mich und meine Entscheidungen nicht geht. Entscheidend sind klare Strukturen – ich vertraue einer guten Person, dem Verwalter der Farm, und komme gut damit klar. Viele scheitern daran, dass sie denken, es gehe nicht, ohne dass sie sich einmischen. Ich kann gut delegieren und loslassen und hänge nicht so an Sachen. Ich brauche mich nicht als Chef zu empfinden.
 
Die neue CD «Touch Yello»: Wie jedes unserer Alben evoziert «Touch Yello» beim Hörer Stimmungen, Bilder und Szenen eines Spielfilms. Deswegen haben wir das Album auch visuell umgesetzt. Der Film «Touch Yello» ist ein virtuelles Konzert, das am 1. Oktober mit Live-Performances des weltbekannten Jazz-Musikers Till Brönner und Balladen der Sängerin Heidi Happy in Berlin uraufgeführt wurde. Das neue Album ist typisch Yello – mit verschiedenen Aspekten und sehr rhythmischen, bombastischen Stücken voll von Ironie.
 
Seinen Film «Lightmaker – Director’s Cut»: Ich habe mit erzwungenen Unterbrüchen über 20 Jahre an diesem Film gearbeitet. In einem deutschen Filmlabor wurde ein Teil der Negative zerstört und es dauerte acht Jahre, bis ich den Prozess gewonnen hatte und das noch intakte Negativ wieder zurück bekam. Die nachfolgende Postproduktion und das Resultat, das zum Festival in Berlin 2001 eingeladen war, überzeugte mich nicht, der Film war mir entglitten. Deshalb bin ich die ganze Postproduktion inklusive Schnitt noch einmal neu angegangen und habe nun endlich den Film, den ich mir vorgestellt habe. «Lightmaker» hatte am 26. September im Rahmen des Zürich Film Festivals Premiere.
 

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